Der Schmetterlingskorridor
- sekretariat
- vor 2 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Autorin: Ursi Singenberger, Präsidentin Wild & Schön
Jeder naturnahe Garten hilft, die Vielfalt der Natur zu bewahren, eine Oase des Friedens zu schaffen und das Verständnis für die Natur und für Selbstversorgung zu stärken.
Daher schafft unser Verein den Schmetterlingskorridor, das heisst ein Puzzlework von naturnahen Flächen um den Bielersee mit 1001 Naturgärten und anderen naturnahen Flächen.
Fröhlich, lokal partizipativ
Es ist ein fröhliches, lokales und partizipatives Projekt, das viele begeisterte Gartenbesitzer*innen um den Bielersee miteinander verbindet. Die Vision, einen bedeutenden regenerativen Lebensraum für die Schmetterlinge und Co. zu schaffen, motiviert sie zusätzlich zu ihrem bereits bestehenden Engagement in ihren privaten Gärten.
Das Projekt hat noch weitere Ansprüche. So will es eine ökologische Infrastruktur im Siedlungsgebiet schaffen. Solche ökologische Infrastrukturen – vor allem Naturschutzgebiete - werden vom Bund gefördert. Wir tanzen dabei aus der Reihe, meinen aber, dass das Handeln hinter dem eigenen Gartenzaun ebenso wertvoll ist. Zudem sensibilisiert es die Mitwirkenden, die Nachbarn und Passanten für die naturnahe Gartengestaltung.
Mitmachen
Jeder Garten, der bei uns mitmachen will, ist willkommen, ob Naturgarten oder nicht. Es gibt nur geografische Kriterien (siehe unten), eine Anforderung an die Grösse (Mindestgrösse 200 m2) und die Bedingung, dass man den Garten selbst unterhält. Mehr Infos unter https://beau-sauvage.ch/mitmachen/
Jeder Garten, der mitmacht, wird von einem oder einer unserer Expert*innen besucht. Diese schauen, ob die verschiedenen Lebensräume des Gartens eine hohe pflanzliche Artenvielfalt aufweisen und ob möglichst standortangepasste Pflanzen verwendet wurden, also zum Beispiel eine Hecke mit Kreuzdorn, Weissdorn, gemeiner Schneeball, Berberitze, wilde Rosen. Sie schauen weiter, ob eine hohe Strukturvielfalt vorhanden ist, mit Asthaufen, Sandlinsen, Steinhügel, Trockensteinmauern etc. Darüber hinaus diskutieren sie mit den Gartenbesitzer*innen über Unterhalt des Gartens und über Dinge, die möglichst vermieden werden sollen, wie das Sprayen von Pestiziden, Fungiziden etc. sowie weitere schädliche Praktiken.
Nach dieser Evaluation und Beratung erhalten die Teilnehmer*innen ein Feedback mit drei Kategorien: wichtig und dringend umzusetzen, mittelfristig umzusetzen und langfristig umzusetzen.
KASTEN
Wichtig und dringend umzusetzen: Wurzeln
zum Beispiel gewisse expansive Pflanzen in Schach halten, Wiese weniger oft schneiden (wenn möglich mit Sense), Wuchsform der Büsche respektieren, Ausstiegshilfe für Amphibien aus dem Wasserreservoir, Kleber auf grossen Scheibenflächen (Gefahr, dass ein Vogel hineinfliegt), feinmaschiges Abdecken von Schächten; keine synthetischen Pestizide und Dünger verwenden etc.
Mittelfristig umzusetzen: Blätter
zum Beispiel nicht-einheimische, exotische einfach entfernbare Büsche mit einheimischen zu ersetzen, Gemüseflächen mulchen und gewisse Beikräuter wie Ringelblumen, Boretsch, Melde etc. tolerieren, Anlegen von Kompost, Sammeln von Regenwasser, Verwenden von Materialien aus der nahen Umgebung (Steine, Pfosten, etc.)
Langfristig umzusetzen: Blumen zum Beispiel Ersetzen von schwierig ersetzbaren Büschen wie Kirschlorbeer mit einheimischen Büschen, Aufbrechen von versiegelten Flächen, Anlegen einer Wasserfläche etc. |
Wird ein Garten als Naturgarten aufgenommen, erhält er eine Plakette. Wir verwenden aktuell die Plakette der Gartencharta. Mit der Zeit möchten wir aber eine eigene Plakette mit dem Schmetterlingskorridor entwerfen und brauchen.
Naturgärten und Permkulturgärten
Naturgärtner und Permakulturgärtner sind oft unterschiedlich, d.h. ihre Ziele und Vorstellungen sind nicht «auf dem gleichen Mist gewachsen», wenn ich dies so salopp ausdrücken darf. Sie lesen andere Bücher, sie treffen andere Leute, sind oft auch aus verschiedenen Altersgruppen. Das heisst ihre Ziele und Vorstellungen sind unterschiedlich. Verspieltheit, Laisser-Faire und Intuition sind bei den Naturgärtnern im Vordergrund, bei den Permakulturisten sind die Themen Selbstversorgung, neue Lebensweisen und Methodik zentral.
Die beiden Ansätze kann man jedoch verbinden, zumindest mache ich das so in meinem Garten. Er weist folgende Bereiche auf: Ruderalflächen mit Schmetterlingsblumen, Gemüsebeete mit Wildstauden, Wildhecken, Blumenwiesen mit Wildpflanzen, wilde Säume, viele Obstbäume, Kräuterbeete sowie Asthaufen, Sandlinse und Steinhügel zum Anziehen der Fauna.
Das Einsparen von Energie, die Multifunktionalität eines Elements, die Wichtigkeit von Randzonen sind mir auch vertraut, wie fair-share-care. Das Beobachten ist mein A & O und einen Zonenplan habe ich auch gemacht, so dass nun die Gemüsebeete nahe beim Haus gelegen sind.
Gärten des Schmetterlingskorridors virtuell besuchen
Gerne kann man meinen Garten wie auch die anderen Gärten des Schmetterlingskorridors anschauen. Ein Teil davon ist bereits jetzt auf die Homepage von BioTerra hochgeladen (siehe https://www.bioterra.ch/offenergarten/suche; Schmetterlingskorridor in die Suchmaske eintragen) und weitere werden folgen. Insgesamt haben wir 107 Gärten evaluiert, wovon ca 80% Naturgärten sind. Jeden Monat kommen neue Gärten dazu.
Sensibilisierung für die Vielfalt der Natur
Dazu organisiert der Verein Wild & Schön Events zur Sensibilisierung für Schmetterlinge, Naturgärten und für die Vielfalt der Natur. Im Juni findet ein Symposium im Papiliorama statt zum Thema Böden, Gemüse, Schmetterlinge. Am Morgen geben drei Fachleute wertvolle Inputs zu Böden, Humus, Bodenverbesserung und Bodenunterhalt und am Nachmittag gibt es an Ständen praktische Ausführungen zu Kompost, Terra Preta, rare Gemüsesorten, Nützlinge im Garten, Schmetterlinge im Gemüsebeet, bodennistende Wildbienen, Ausgleichsflächen im Garten, Schnecken im Gartenökosystem, essbare Wildkräuter im Gemüsebeet sowie zu Waldgarten. Mehr unter Aktuell www.beau-sauvage.ch
Weiter Schmetterlingskorridore in der Schweiz
Ich hoffe, dass es bald auch in anderen Schweizer Gegenden Schmetterlingskorridore gibt. Alpes Vivantes hat unsere Idee bereits übernommen und entwickelt sie nun in den Waadtländer Alpen. Schön wäre es, Schmetterlingskorridore durch die ganze Schweiz zu haben und so die Schönheit, den Wert der Vielfalt der Natur und die spirituelle Tiefe von naturnahen Erholungsoasen in unseren Herzen zu verankern. Die Schmetterlinge können uns nicht nur durch ihre Schönheit, Fröhlichkeit und ihren Wert als Bioindikatoren, sondern auch durch ihre Symbolik der Metamorphose inspirieren.
Symposium Böden, Gemüse, Schmetterlinge am 20. Juni 2026 im Papiliorama. Mehr infos unter www.beau-sauvage.ch unter AKTUELL
Die Gärten folgender Gemeinden können beim Schmetterlingskorridor mitmachen: ![]() |
👉 Der Verein sucht aktuell neue Mitarbeitende!! HIER Stelleinserate ansehen !



















































Kommentare